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British Ceramic Bienale, Stoke On Trent

Topographies of the Obsolete
Spode Factory, Designersblock, Stoke on Trent, GB
September 2013 - January 2014

01.Kerstin-Abraham-BCB-Installation Absence 2013/14 British Ceramic Bienale Stoke On Trent
»Absence« View at BCB British Ceramic Bienale Stoke On Trent 2013/14, Foto: Privat

»Absence« ist die erste Arbeit, bei der ich das Internet als Medium genutzt habe. Die Techniken sind Recherche, Auktion und Installation. Material sind industriell produzierte Teller. Selbst Hand angelegt habe »Absence« zu zeigen, ist der Zuschreibung entsprechend, das Wedgwood Memorial Building in Burslem. "Absence" handelt vom frühen Technologietransfer. In Stoke-on-Trent wurde im Dreieck zwischen Manchester, Birmingham und Liverpool im 18. Jahrhundert von Joshua Wedgwood die Keramikindustrie erfunden. Heute wird hier nur noch in einem Bruchteil der Betriebe gearbeitet, die bis in das 20.Jahrhundert hinein entstanden sind. Ganze Industrieareale und Stadtviertel sind verlassen. Nur wenige Neugründungen und Fortführungen von Unternehmen führen die Keramikproduktion ins 21.Jahrhundert. Produziert wird heute vor allem in Asien. Die Industriekultur, die hier entwickelt wurde, gibt es nicht mehr. Menschen, die hier geboren und aufgewachsen sind (born and bred), suchen nach neuen Lebensmöglichkeiten. Ausgangspunkt meiner Arbeit war, dass ich in dieser schwierigen Situation etwas nach Stoke-on-Trent zurückbringen wollte. Stolz auf Geschichte vielleicht, auf die Geburt einer Technologie, die von hier zunächst nach Festland-Europa ging, dann nach Übersee, in die Welt. Eine Technologie, die zum Entstehen der Alltagskultur des 20.Jahrhunderts beitragen konnte. Ich habe im Internet nach industriell gefertigten Steingut Tellern geforscht, die aus europäischen Fabriken stammen, nicht jedoch aus England. Die Recherche ist mühselig und langwierig, denn massenweise industriell gefertigtes Geschirr war hauptsächlich für den Alltagsgebrauch gedacht und galt als wertlos. Besonders die vielgenutzten Essteller wurden entweder für alle denkbaren Zwecke aufgebraucht oder als Restbestände weggeworfen (was man vererbte war Porzellan). So ich konnte, habe ich für jede Fabrik einen Teller ersteigert. Zwischen September 2012 und März 2013 war die Sammlung auf 63 Exemplare angewachsen. Die Zahl steigt langsam weiter. Auf den Rückseiten der Teller sind die Fabrikmarken der Betriebe zu sehen, die in Belgien, Luxemburg, Frankreich, Deutschland, Schlesien, Litauen, Russland, Norwegen, Dänemark, Schweden, Finnland, Österreich, Ungarn, Tschechien, Rumänien, Schweiz, Italien, Spanien, Slovenien... produzierten. Diese Rückseite ist die Seite, die ich zeige. Man kann die sich gleichzeitig ähnelnden und unterscheidenden Steingutmassen und Glasuren zusammen betrachten, dazu die Stempel der Hersteller und die, gelegentlich handgeschriebenen Codes für Dekore. Man sieht technologische Übereinkünfte (wie das Einformen) ebenso wie Unterscheidungen (z.B. Unterglasur oder Fayence). Für unsere heutigen, an die Eintönigkeit postindustrieller globalisierter Massenerzeugnisse gewöhnten Augen scheint die Vielfalt der Anwendungen und lokalen Fortentwicklungen der Ursprungstechnologie fast an individuelle Ausformungen heranzureichen. Ich habe mir das vormals Niedrige, Gewöhnliche, Hässliche in eine Schönheit transferiert, die ich heute dringlich begehre.

Aus: »Beyond Site«, Lena Kaapke/Laura Garbers/ Kerstin Abraham/ Yeonbin Lee, Booklet, Kiel 2013 (siehe Publikationen), Seite 21


Topographies of the Obsolete is an artistic research project that focuses on the closed Spode Works in Stoke-on-Trent, UK.
The first workshop Resurrecting the Obsolete took place in September 2012 in the Spode Factory, Stoke on Trent, UK organized by Bergen Academy of Art and Design, Norway (KHiB).
KHiB was invited as a Research Fellow Partner Institution by the British Ceramics Biennial 2013 and the first workshop included 33 staff and students from KHiB, The Royal Academy of Art Copenhagen, Muthesius Kunsthochschule Kiel, Sheffield Hallam Univerisity, University of Nottingham Trent and invited alumni/artists from KHiB. Together we explored the Spode site’s histories, industrial space and infrastructure.
The workshops have uncovered a variety of methods and strategies exploring the complexity of the site from different perspectives and practices particular to each of the artists/students involved. We had a great variation of expressions ranging from the performative intervention based to installation and object based work.
The second of the research residency took place in March 2013 as the artistic research project Topographies of the Obsolete. The third workshop takes place in August 2013.
In September a number of participants from the research project will present their works during the British Ceramics Biennial 2013.
This site will act as a meeting point for participants and others interested in our progress.

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