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Katalog »Memo«

Kerstin Abraham Katalog Memo

Spielregeln

1. Die Regel im Lande Schleswig Holstein ist,  daß das Kultusministerium alle Kunstklassen der Muthesius Hochschule einmal zum Klassentreffen bittet. Sie bekommen dann die schönen Ausstellungsräume des Landeskulturzenzrums auf dem Herrensitz Salzau als Spielwiese für die Präsentation ihrer Kunst. Und die Möglichkeit, einen Katalog zu produzieren. Einmal zeigen, was man will und kann.

2. Hier treffen sich nun meine Ehemaligen und Studierenden.
Um miteinander ins Gespräch zu kommen, galt es, innerhalb eines halben Jahres speziell für diese Ausstellung neue Arbeiten zu entwickeln. Das Thema für alle (auch für mich) lautete: ALTAR + TAFEL. Die beiden Pole, zwischen denen sich das Thema entwickelt,  sind erstens die Eßgemeinschaft (die, wiewohl kulturell geprägt, näher am Existenziellen ist), und zweitens die wie auch immer gemeinte kultische Einrichtung des Altars (die der Zelebrierung höherer Werte dient).
Als formale Regel für die zu erstellenden Kunstwerke gilt: sie müssen mobil sein, alles in sich und bei sich tragen, so daß  sie ihre Wirkung unter ganz unterschiedlichen räumlichen und atmosphärischen Bedingungen entfalten können.
Die entstandenen Arbeiten wurden vor Ausstellungsbeginn in Salzau fotografiert und die Fotos als Material für Bildpaare verwendet, aus denen die meisten Spielkarten unseres MEMOs entstanden. Als ergänzendes Material für weitere Karten wurden einige Abbildungen von Studentenarbeiten aus der  Vergangenheit gewählt.

3. Der Katalog zur Ausstellung erscheint nun selbst in Form eines Spiels, des Spiels MEMO, das nach den Regeln von »Memory« gespielt wird: 
Die Karten werden mit  der stets gleichen Rückseite nach oben als regelmäßiges Feld ausgelegt. Die Spieler versuchen nun der Reihe nach, zwei gleiche Karten aufzudecken. Wer das schafft, kann so lange fortfahren, bis die aufgedeckten  zwei Motive nicht zu einem Paar gehören. Sieger ist, wer am Ende einer Runde die meisten Paare aufsammeln konnte.
Anders als beim klassischen Memory, bei dem die Bildpaare stets  vollkommen gleich aussehen, können bei uns die Ansichten wechseln.Schärfen sie also ihre Wahrnehmung! Sicher ist jedenfalls, daß immer eine einzige künstlerische Arbeit einem Paar zugrunde liegt. 
Wenn es zu schwer wird, oder sie ihre Wahl überprüfen wollen, können sie im Merkbuch nachschauen. Dort finden sie noch einmal alle Arbeiten, aus denen die Bildpaare gebildet wurden,  als schwarz/weiß Abbildung, zusammen mit Angaben über Autor, Titel und  Entstehungsjahr. 
Sie können aber auch, wenn sie das erste Mal spielen, die Karten mit den Bildseiten nach oben auslegen und erst  in einer späteren Runde den Schwierigkeitsgrad erhöhen.
Wir haben nicht versucht, die Originale kongenial abzubilden. Wer die Originale tatsächlich gesehen hat, mag es leichter haben, in diesem Spiel erfolgreich zu sein. Schließlich ist das überzeugte und unverdrossene Erstellen von Artefakten eines der Merkmale unserer Klasse. Jedoch hülfe auch, sich in die Eigenartigkeit jeder einzelnen Arbeit einzusehen.

4. Während sie spielen, arbeiten wir gegen das Vergessen.

5. Im Merkbuch gibt es noch einiges zu lesen: ein Atheist und ein Christ (der heilige und der unheilige Thomas, haben wir die beiden bei uns genannt, sie mögen es uns verzeihen) halten kleine Tischreden über Altar und Tafel, ein weiterer Autor denkt über Gelage nach und ein Journalist versucht herauszufinden, was zum Teufel, die Studenten, mein Mitarbeiter und ich die ganze Zeit so getrieben haben. 
Außerdem erfahren sie fast alles über das Leben der jungen Künstler und Künstlerinnen, und wie sie aussehen, falls sie sie wiedererkennen möchten.

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